Wissenschaftler haben aus einer Tropfen flüssigen Kristalls einen flexiblen optischen Transistor für zukünftige fotonische Chips hergestellt

Wissenschaftler haben aus einer Tropfen flüssigen Kristalls einen flexiblen optischen Transistor für zukünftige fotonische Chips hergestellt

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Neue „weiche“ Photonik: Flüssigkristalle + Polymere ebnen den Weg zu energieeffizienten Chips

Traditionelle optische Elektronik verwendet dieselben Materialien wie Silizium-Mikrochips. Das führt zu typischen Beschränkungen festkörperbasierter Geräte – hohen Energieverbrauch, komplexer Fertigungstechnik und eingeschränkter Flexibilität.

Jüngste Studien der Universität Ljubljana (Slowenien) zeigten, wie man diese Probleme umgehen kann, indem man einen „optischen Transistor“ auf Basis eines Tropfens Flüssigkristall in ein polymeres Waveguide schafft.

Wie es funktioniert
1. Aufbau des Geräts

- Mit einer Pipette wird ein Tropfen Flüssigkeit in einen Rahmen aus flexiblen optischen Waveguides (Polymer) eingeführt.

- Im Inneren des Tropfens befindet sich ein fluoreszierendes Farbstoff, der auf Licht reagiert.

2. Einschalten des WGM‑Resonanz

- Ein Laserimpuls niedriger Leistung erzeugt im Tropfen den sogenannten *WGM‑Resonanz* (Waveguide Modal Boundary).

- Photonen „kleben“ innerhalb des Tropfens und werden mehrfach an dessen Wänden reflektiert. Das ermöglicht das Halten von Licht bei einer Energie, die zwei Größenordnungen niedriger ist als in Silizium-Photonik.

3. Optische Verstärkung und Schaltung

- Ein zweiter Impuls einer anderen Farbe (andere Wellenlänge) ebenfalls mit niedriger Leistung startet den Verstärkungsprozess: Resonanzphotonen geben zusätzliche Energie ab.

- Daraus entsteht ein „optischer Schalter“, der Licht mit einer Verzögerung aussendet, die durch das Timing des zweiten Impulses bestimmt wird.

Damit hat das Steuersignal eine extrem geringe Leistung, kann jedoch den gesamten Ausgangslichtstrom vollständig kontrollieren – was in traditionellen Siliziumsystemen unmöglich ist.

Warum es wichtig ist
Vorteile
- Reduzierter Energieverbrauch: Mehr als 100‑fach weniger Energie im Vergleich zu bestehenden photonischen Technologien.
- Einfache Herstellung: Der Tropfen kann innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde eingeführt werden, ohne komplexe technologische Schritte und bei niedrigen Temperaturen.
- Flexibilität des Designs: Polymer-Waveguides ermöglichen die Schaffung flexibler und ungewöhnlicher Geometrien, die für Silizium nicht zugänglich sind.
- Erweiterte Designmöglichkeiten: Möglichkeit, verschiedene Resonatoren und komplexe optische Schaltungen in einem Gerät zu integrieren.

Perspektiven
Obwohl die aktuelle Technologie noch nicht mit siliziumbasierten neuronalen Netzwerken konkurrieren kann, legt sie das Fundament für:

- vollständig optische logische Gatter,
- photonische Prozessoren,
- zukünftige neuronale Netze.

Langfristig eröffnet es den Weg zu ultraschnellen und ultra‑kosteneffizienten Rechensystemen mit minimalem Energieverlust.

Weiche Photonik verspricht eine Revolution in der Optik, indem sie einfache Fertigung, Materialflexibilität und hohe Leistung vereint.

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