Spieler von Pokémon Go haben im Laufe der Jahre unbeabsichtigt Robotik‑Kurier trainiert.
Wie „Pokémon“ jetzt Robotern-Kurieren helfen
Kurz:
Niantic, Entwickler von Pokémon Go, und das Unternehmen Coco Robotics haben sich zusammengeschlossen, um Standortdaten zu nutzen, die von Millionen Spielern gesammelt wurden, für eine präzise Navigationsunterstützung von Lieferrobotern. Das neue visuelle Positionssystem (VPS) ermöglicht es Robotern, sich mit Zentimeterpräzision zu orientieren, selbst an Orten, an denen GPS nicht funktioniert.
1. Von Spielen zur Lieferung – Pokémon Go eröffnete den Nutzern vor fast zehn Jahren erstmals die AR-Welt. Seit seiner Einführung hat die App Hunderte Millionen von Spielern angezogen und sie dazu gebracht, durch Straßen, Parks und Parkplätze zu streifen, um virtuelle Wesen zu finden.
- Heute kann diese „Fußgängerkarte“ nicht mehr nur zur Unterhaltung genutzt werden, sondern für praktische Aufgaben: schnelle und präzise Bewegung von Lieferrobotern.
2. Partnerschaft Niantic Spatial und Coco Robotics – In einer jüngsten Ankündigung hat das Team Niantic Spatial (ein Teil der Gruppe hinter Pokémon Go) einen Vertrag mit Coco Robotics unterzeichnet, dem Hersteller kleiner mobiler Roboter für die Essenslieferung über kurze Strecken.
- Die Roboter werden die VPS-Technologie von Niantic nutzen, um sich in der Stadt zu orientieren.
3. Was ist VPS und warum ist es wichtig? – VPS bestimmt die Position eines Objekts nicht per Satelliten, sondern anhand der Umgebung: Gebäude, Schilder, Denkmäler.
- Die Genauigkeit erreicht mehrere Zentimeter dank der „Augen“ des Roboters – vier Kameras, die sichtbare Orientierungspunkte scannen.
- GPS stürzt häufig in dicht bebauten Stadtgebieten oder bei schlechten Wetterbedingungen ab; VPS ist unabhängig vom Satellitensignal.
4. Wie wurden Daten aus Pokémon Go nützlich? – Ursprünglich erstellten Spieler mit Fotos und Videos von ihren Smartphones eine riesige Bilddatenbank: über 30 Milliarden Aufnahmen verschiedener Orte zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei verschiedenen Wetterbedingungen.
- Im Jahr 2020 wurde die Rubrik „Field Research“ eingeführt, die Spieler dazu ermutigte, reale Objekte (Statuen, Denkmäler) für In‑Game-Belohnungen zu fotografieren.
- Diese Aufnahmen wurden in 3D‑Modelle städtischer Objekte umgewandelt und zur Schulung der Niantic VPS‑Systeme verwendet.
5. Expertenbewertung – „Die Aufgabe, Pikachu durch die Straßen laufen zu lassen, und die Aufgabe, einen Coco-Roboter sicher und präzise zu machen, sind das gleiche Problem“, sagte John Hanke, CEO von Niantic Spatial, in einem Interview mit der MIT Technology Review.
6. Potenzial für Lieferungen – Heute spielen noch etwa 50 Millionen Menschen Pokémon Go weiter, und die Ortsdaten bleiben aktuell.
- Lieferroboter, die an Universitätsstädten getestet wurden, verloren häufig bei der Straßenüberquerung den Überblick wegen schwachem GPS; jetzt können sie sich anhand umgebender Gebäude und Objekte orientieren.
- Dies könnte die Lieferzeit verkürzen und Verzögerungen reduzieren.
7. Was kommt als Nächstes? – Niantic erwägt eine Erweiterung der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, die an autonomen Fahrzeugen arbeiten, um die VPS-Technologie für ein breiteres Publikum von Robotern und Drohnen zu nutzen.
Zusammenfassung:
Die von Millionen Pokémon Go-Spielern gesammelten Daten helfen nun Lieferrobotern dabei, sich in städtischen Straßen mit Zentimeterpräzision zu bewegen. Es ist ein Beispiel dafür, wie Crowdsourcing‑Informationen aus einem Bereich (Spiele) auf einen völlig anderen (Logistik) übertragen werden können und neue Möglichkeiten für autonome Systeme eröffnen.
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