Europa beschleunigte den Wechsel von amerikanischen digitalen Diensten und Software.
Große europäische Länder verzichten auf amerikanische Cloud-Dienste
In Europa wächst die Tendenz, digitale Dienste großer amerikanischer Unternehmen abzulehnen und stattdessen inländische oder kostenlose Alternativen zu nutzen. Der Grund dafür sind Bedenken hinsichtlich einer übermäßigen Abhängigkeit von nicht-europäischer Software und das Streben nach technologischer Souveränität, berichtet AP.
Warum ist das wichtig
- Eindämmung äußerer Einflüsse
Angesichts möglicher Druckausübung seitens der USA befürchten Beamte, dass große „Silicon Valley“-Unternehmen den Zugang zu ihren Produkten einschränken könnten. Nachdem Microsoft die E‑Mail des Staatsanwalts des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) Karim Khan wegen Sanktionen gegen Präsident Trump blockiert hatte, stieg die Besorgnis.
- Versprechen kontinuierlicher Unterstützung
Microsoft erklärte, dass es während des gesamten Prozesses der Abkopplung seines Vertreters von den Unternehmensdiensten mit dem IStGH in Kontakt geblieben sei. Der eigentliche Blockierungsfall löste jedoch Bedenken hinsichtlich eines „Not-Aus-Schalters“ aus, der für willkürliche Dienstunterbrechungen genutzt werden könnte.
Reale Beispiele für Umstellungen
Region/Land / Region Was ersetzt
E-Mail Schleswig-Holstein (Deutschland) 44 000 Microsoft‑Konten durch Open‑Source‑Mail
Dateiaustausch Deutschland SharePoint → Nextcloud
Bürosoftware Österreich Microsoft 365 → LibreOffice
Mobile und Video-Kommunikation Schleswig-Holstein (Pläne) Windows → Linux, Telefone und Konferenzen – offene Lösungen
Lokale Verwaltungen Frankreich (Lyon), Dänemark (Kopenhagen, Aarhus) Umstieg auf kostenlose Office‑Pakete
In Österreich nutzen die Streitkräfte bereits LibreOffice anstelle von Microsoft 365. Ihre Besorgnis beruht darauf, dass Standard‑LibreOffice keine Cloud‑Speicherung bietet, während Microsoft ausschließlich ein cloudbasiertes Modell anbietet.
Italien hat laut einem Vertreter der Document Foundation vor einigen Jahren ähnliche Software eingeführt, weil es nicht für Lizenzen zahlen wollte. Heute ist die Hauptmotivation der Verzicht auf proprietäre Systeme und die Wahrung der Datenkontrolle.
Schlussfolgerungen europäischer Beamter
- Henna Virkkunen (Europäische Kommission) betonte: „Die Abhängigkeit Europas von externen Akteuren könnte ein Druckinstrument werden“.
- Der deutsche Minister für Digitalisierung, Dirk Schröder, hob hervor: „Wir streben nach Unabhängigkeit von großen Technologiegiganten und nach digitaler Souveränität“.
Damit wandelt sich Europa aktiv zu offenen Lösungen, um das Risiko politischer Einmischung zu verringern und die eigene technologische Autonomie zu stärken.
Kommentare (0)
Teile deine Meinung — bitte bleib höflich und beim Thema.
Zum Kommentieren anmelden