Erbe des Programms „Magellan“: Auf Venus wurde ein mehrdezimetrischer Untergrundtunnel entdeckt

Erbe des Programms „Magellan“: Auf Venus wurde ein mehrdezimetrischer Untergrundtunnel entdeckt

11 hardware

Venus – „böses Zwilling“ der Erde

Venus wird oft als das „böse Zwillinge“ unseres Planeten bezeichnet, weil die Bedingungen an ihrer Oberfläche extrem hart sind. Eine dichte Wolkendecke verdeckt alles darunter, und der einzige Weg, zu sehen, was sich darunter befindet, ist Radar. Genau dieses Radar hat erstmals im Maßstab des gesamten Planeten mit dem NASA-Sonden *Magellan* vor 35 Jahren die Geheimnisse Venus enthüllt, und heute zeigen archivierte Daten weiterhin neue Details.

Neue Tatsache: ein riesiger Lavaturm
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Lorenzo Bruczone (University of Trento, Italien) hat erstmals überzeugend nachgewiesen, dass sich ein großer hohler Lavatunnel auf Venus befindet. Das *Magellan*-Radar konnte eine solche Struktur nicht direkt abbilden: Es erfasst nur „Fenster“ – Risse in den Tunnelwänden, die Hohlräume erzeugen und sichtbar werden.

Bisher wurde das Vorhandensein von Lavaturmen auf Venus lediglich als theoretische Möglichkeit betrachtet. Im Vergleich zu Erde, Mars und Mond gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Vulkanausbruch auf Venus lange vorbei sei und die verbleibenden Tunnel verschwunden sein könnten. Die neue Entdeckung widerlegt diese Hypothese und erhöht den Status des Planeten in der Untersuchung geologischer Aktivität.

Wo und wie sieht der Turm aus
* Lage – westlicher Hang des Schildvulkan *Nyx Mons* (Durchmesser ~362 km) im nördlichen Hemisphäre von Venus.

* Größe:

* Durchmesser: ~1 km

* Dicke „Dach“: ≥150 m

* Höhe des Hohlraums: mindestens 375 m

* Länge des Risses (bestätigt): ≥300 m, aber anhand indirekter Hinweise könnte er bis zu 45 km und mehr betragen.

Solche Maßstäbe übersteigen deutlich die typischen Lavaturme auf der Erde und dem Mars und machen die venusische Entdeckung einzigartig im Sonnensystem.

Warum das wichtig ist
1. Vulkanausbruch als formende Kraft

Lavaturme entstehen, wenn der obere Teil fließender Lava erstarrt, während die innere Lava weiterfließt und einen Hohlraum hinterlässt. Ihr Vorhandensein bestätigt, dass vulkanische Prozesse auf Venus weiterhin die Oberfläche und das Untergrund des Planeten seit Milliarden von Jahren beeinflussen.

2. Neue Horizonte der Forschung

Große unterirdische Hohlräume eröffnen Möglichkeiten zur Untersuchung der geologischen Geschichte Venus und der Evolution ihres Vulkanismus. Sie könnten als natürliche Zufluchtsorte vor extremen Oberflächenbedingungen dienen, was sie potenziell interessant für zukünftige Missionen macht – sogar mit menschlichem Beteiligung.

3. Methoden und Daten

Die Entdeckung betont die Bedeutung der Entwicklung neuer Techniken zur Erkundung des Untergrunds Venus und demonstriert den Wert einer erneuten Analyse archivierter Daten – manchmal können alte Aufnahmen neue Geheimnisse enthüllen.

Ergebnis
Wissenschaftler wissen nun, dass es auf Venus riesige Lavaturme gibt, die nicht nur eine aktive vulkanische Geschichte des Planeten bestätigen, sondern auch Perspektiven für zukünftige Forschungen und Missionen eröffnen. Dieses neue Wissen stärkt die Rolle Venus als Schlüsselobjekt im Verständnis geologischer Prozesse von felsigen Körpern unseres Sonnensystems.

Kommentare (0)

Teile deine Meinung — bitte bleib höflich und beim Thema.

Noch keine Kommentare. Hinterlasse einen Kommentar und teile deine Meinung!

Um einen Kommentar zu hinterlassen, melde dich bitte an.

Zum Kommentieren anmelden