Ein fünfminütiger BitLocker‑Bruch auch nach dem Upgrade auf Windows 11

Ein fünfminütiger BitLocker‑Bruch auch nach dem Upgrade auf Windows 11

26 software

Ein neues Tool namens BitUnlocker ermöglicht es, die BitLocker-Schutzschicht schnell zu umgehen

Forscher von Intrinsec haben einen funktionsfähigen Prototyp (PoC) für eine Downgrade-Attacke entwickelt, der Laufwerke mit BitLocker-Verschlüsselung unter Windows 11 in weniger als fünf Minuten entschlüsselt. Die Attacke kann nur eingesetzt werden, wenn physischen Zugriff auf die Maschine und ein USB-Laufwerk vorhanden sind.

Wie funktioniert die Angriffs­methode
1. Schwachstelle CVE‑2025‑48804

- Eine der vier kritischen Zero-Day-Schwachstellen, entdeckt von Microsofts interner STORM-Gruppe und in Patch Tuesday Juli 2025 behoben.

- Befindet sich im Windows Recovery Environment (WinRE) und betrifft die Verarbeitung von SDI-Dateien (System Deployment Image).

- Der Bootloader prüft die Integrität eines WIM-Images, erlaubt jedoch das Einfügen eines zweiten, vom Angreifer kontrollierten Images. Dadurch wird ein modifiziertes WinRE geladen, das eine Eingabeaufforderung auf dem bereits entschlüsselten Laufwerk öffnet.

2. Problem mit der Signatur

- Microsoft hat im Juli 2025 ein korrigiertes `bootmgfw.efi` über Windows Update veröffentlicht.

- Secure Boot prüft nur die Signaturzertifikats, nicht die Versionsnummer der Datei.

- Das veraltete Zertifikat Microsoft Windows PCA 2011 (unterzeichnete alle Bootloader bis Juli 2025) bleibt auf fast allen Geräten vertrauenswürdig, außer bei sauber installierten Systemen seit Anfang 2026.

- Ein massiver Widerruf des PCA 2011 ist ohne Zerstörung der Signatur vieler legitimer Dateien nicht möglich.

3. Schritt-für-Schritt-Szenario

- Der Angreifer bereitet eine modifizierte BCD-Datei vor, die auf das manipulierte SDI verweist.

- Der alte, anfällige Bootloader mit PCA 2011-Signatur wird über USB oder PXE geladen.

- Das TPM-Modul liefert den BitLocker-Volume Master Key (VMK) ohne Warnungen, da PCR 7 und 11 bei vertrauenswürdigem Zertifikat gültig bleiben.

- Das Systemlaufwerk wird vollständig entschlüsselt.

Wer ist betroffen
- Vollständig gefährdet: Geräte, bei denen BitLocker nur TPM ohne PIN-Code nutzt und Secure Boot das PCA 2011-Zertifikat in der Vertrauensliste hat.

- Geschützt:

- Geräte mit TPM + PIN-Code (TPM gibt VMK nicht ohne Benutzereingabe aus).

- Systeme, die auf KB5025885 aktualisiert wurden und das Windows UEFI CA 2023-Zertifikat verwenden.

Was jetzt zu tun ist
1. Vorboot-Authentifizierung mit TPM + PIN aktivieren – verhindert den Zugriff auf VMK ohne Benutzerinteraktion.

2. Update KB5025885 installieren – verschiebt die Bootloader-Signatur auf CA 2023 und führt Widerrufmechanismen ein, die Downgrade-Attacken blockieren.

3. Zertifikate prüfen: Mit `sigcheck` sicherstellen, dass `bootmgfw.efi` von CA 2023 signiert ist und nicht vom veralteten PCA 2011.

4. WinRE-Partition an kritischen Arbeitsplätzen entfernen, wo Vorboot-Authentifizierung nicht möglich ist.

5. Die Migration der Unternehmensnetzwerke auf das CA 2023-Zertifikat beschleunigen, bevor Angreifer diese Technik in gezielten Angriffen einsetzen.

Fazit
BitUnlocker zeigt, dass die Schwachstelle CVE‑2025‑48804 auch nach Patches zur Umgehung von BitLocker genutzt werden kann, wenn Secure Boot weiterhin das veraltete Zertifikat vertraut. Sofortige Maßnahmen wie Updates und TPM + PIN-Authentifizierung sind entscheidend zum Schutz der Daten.

Kommentare (0)

Teile deine Meinung — bitte bleib höflich und beim Thema.

Noch keine Kommentare. Hinterlasse einen Kommentar und teile deine Meinung!

Um einen Kommentar zu hinterlassen, melde dich bitte an.

Zum Kommentieren anmelden